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Regulatorische und strategische Treiber der Gebäudeautomation

Veröffentlicht am
10 Feb 2026

Gebäude verursachen über 30 % der weltweiten CO₂-Emissionen und stehen damit im Zentrum der europäischen Klima- und Regulierungspolitik. Die energetische Sanierung von Gebäuden ist längst keine freiwillige Maßnahme mehr, sondern wird durch EU-Richtlinien, nationale Gesetze und Marktmechanismen direkt und indirekt erzwungen.

Für Eigentümer, Investoren und Unternehmen im Gebäudesektor entstehen daraus erhebliche regulatorische, finanzielle und strategische Handlungszwänge.

EU-Gebäuderichtlinie (EPBD): Strengere Effizienz- und Automationsanforderungen

Ein zentraler regulatorischer Treiber ist der Recast der Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) der Europäischen Union. Diese schreibt konkrete Mindestanforderungen an die Energieeffizienz und technische Ausstattung von Gebäuden vor.

Minimale Energie-Performance-Standards (MEPS):

  • Nichtwohngebäude müssen ihre Effizienzklasse
    • bis 2027 von G auf mindestens F verbessern
    • bis 2030 auf mindestens E
  • Wohngebäude müssen ihren Energieverbrauch
    • bis 2030 um 16 %
    • bis 2035 um 22 % senken

Diese Vorgaben betreffen einen Großteil des bestehenden Gebäudebestands und machen Sanierungen unausweichlich.

Automationspflicht: Gebäudeautomation wird regulatorischer Standard

Neben der Energieeffizienz rückt auch die Gebäudeautomation in den Fokus der Regulierung:

  • Ab Januar 2025 sind Automationssysteme in Nichtwohngebäuden mit einem Peak-Energieverbrauch >290 kW verpflichtend
  • Ab 2030 gilt die Pflicht bereits ab >70 kW

Damit sind häufig schon Gebäude mit 1.000–1.500 m² Nutzfläche betroffen.
Ziel ist es, Energieverbräuche transparent, steuerbar und optimierbar zu machen.

Die EPBD wurde bereits in vielen EU-Ländern umgesetzt – etwa durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Deutschland.

Steigende CO₂-Preise erhöhen den wirtschaftlichen Druck

Zusätzlich verschärfen steigende CO₂-Kosten die wirtschaftliche Situation ineffizienter Gebäude:

  • Ab 2027 werden nationale Emissionshandelssysteme in das EU-Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr (ETS II) überführt
  • Erwartete CO₂-Preise: 60 bis 380 € pro Tonne (heute ca. 55 €)

Für fossile Energieträger bedeutet das:

  • bis zu +7 ct/kWh auf den Gaspreis

Besonders relevant für Eigentümer:
Bei ineffizienten Gebäuden müssen diese Mehrkosten zu großen Teilen selbst getragen werden (z. B. durch das CO₂-Kostenaufteilungsgesetz in Deutschland) – sie lassen sich nicht vollständig auf Mieter umlegen.

EU-Taxonomie: Transparenzpflichten und Investitionsdruck

Im Rahmen der EU-Taxonomie müssen Unternehmen offenlegen, welcher Anteil ihres:

  • Umsatzes
  • ihrer Investitionen (CapEx)
  • ihrer Betriebsausgaben (OpEx)

taxonomiekonform ist.

Für den Gebäudesektor sind insbesondere zwei Tätigkeiten relevant:

  • 7.3: Installation, Wartung und Reparatur energieeffizienter Ausrüstung
  • 7.5: Mess-, Regel- und Steuerungssysteme zur Energieperformance von Gebäuden

Beide gelten als „enabling activities“ – also als Schlüsseltechnologien zur Dekarbonisierung anderer Wirtschaftsbereiche. Gebäude ohne entsprechende Maßnahmen verlieren damit strategische Relevanz für ESG-konforme Investitionen.

Brown Assets & Brown Discount: Der Markt straft Ineffizienz ab

Die regulatorischen Vorgaben entfalten zunehmend auch Bilanz- und Markteffekte:

Gebäude, die Effizienz- und Automationsanforderungen nicht erfüllen, gelten als „Brown Assets“:

  • höherer CO₂-Fußabdruck
  • steigende Betriebskosten
  • erhöhtes Finanzierungsrisiko

Banken und institutionelle Investoren preisen diese Risiken bereits ein:

  • höhere Zinsen
  • eingeschränkter Zugang zu Green Bonds
  • geringere Beleihungswerte

Am Markt zeigen sich Preisabschläge von bis zu 10–20 % („Brown Discount“)
gegenüber taxonomiekonformen Gebäuden. Steigende CO₂-Kosten verstärken diesen Effekt zusätzlich und erhöhen das Risiko von Stranded Assets.

Fazit: Energieeffizienz und Gebäudeautomation werden zur strategischen Pflicht

Die Kombination aus Regulierung, CO₂-Bepreisung, EU-Taxonomie und Kapitalmarktdruck macht deutlich:
Energetische Sanierung und intelligente Gebäudeautomation sind keine optionalen ESG-Maßnahmen, sondern wirtschaftliche Notwendigkeiten.

Für Eigentümer und Investoren entscheidet sich heute, ob Gebäude langfristig:

  • wettbewerbsfähig
  • finanzierbar
  • werthaltig

bleiben – oder zu Kosten- und Risikofaktoren werden.

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